DGUV Vorschrift 2

„Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit"

Fragen und Antworten

Welche Veränderungen ergeben sich durch die neue DGUV V2?

  • Vereinheitlichung der Regelungen: es besteht kein Unterschied mehr zwischen gewerblichen Berufsgenossenschaften und öffentlichen Unfallversicherungsträgern.
  • Die betriebsärztliche und sicherheitstechnische jährliche Gesamtbetreuung besteht für Unternehmen mit mehr als 10 Beschäftigten aus der Grundbetreuung und einem zusätzlichen betriebsspezifischen Teil der Betreuung, der sich an den tatsächlichen Gefährdungen in Ihrem Unternehmen orientiert.
  • Leistungsorientierung: Entscheidend für den Umfang der betriebsspezifischen Betreuung sind die tatsächlichen Gefährdungen im Betrieb und nicht verordnete Einsatzzeiten.
  • Bedarfsorientierung: Betrieblichen Gefährdungen kann betriebsindividuell und mit größerer Eigenverantwortung begegnet werden.

Auf welche Unternehmen trifft die DGUV V2 zu?

Die DGUV Vorschrift 2 gilt für alle bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung versicherten Unternehmen seit Januar 2011.

Ausnahmen:

  • Betriebe der Gartenbau- und Landwirtschafts-BG
  • Die Unfallkasse Sachsen

Das Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG) wird damit für die überwiegende Zahl der Arbeitgeber in Deutschland einheitlich konkretisiert.

Die bei den Berufsgenossenschaften bereits eingeführte alternative Kleinbetriebsbetreuung für Unternehmen bis zu 10 Beschäftigten gilt seit 1. Januar 2013 auch bei den Unfallkassen.

Welche Vorteile hat ein Betrieb durch die DGUV V2?

Vorteile sind:

• mehr betrieblicher Ausgestaltungsspielraum,

• Gleichbehandlung gleichartiger Betriebe,

• Berücksichtigung der individuellenbetrieblichen Gefährdungen und Verhältnisse,

• Betreuungsinhalte statt Einsatzzeitenstehen im Vordergrund.

Welches Volumen hat die jährliche Grundbetreuung?

Die Unternehmen werden über ihre Hauptbetriebsart nach der Klassifikation der Wirtschaftszweige (WZ Code 2008) des statistischen Bundesamtes Wiesbaden einer von drei Betreuungsgruppen zugeordnet, die den Umfang der jährlichen Grundbetreuung als Summenwerte für Betriebsarzt und Fachkraft für Arbeitssicherheit festlegt.

Jährliche Grundbetreuung

Gruppe I 

Gruppe II 

Gruppe III 

Einsatzzeit (Std./Jahr je Beschäftigten)

 2,5

 1,5

 0,5

Bei der Aufteilung der Grundbetreuungszeiten auf Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit ist ein Mindestanteil von 20% der Grundbetreuung, jedoch nicht weniger als 0,2 Std./Jahr je Beschäftigtem, für jeden Leistungserbringer anzusetzen. Sowohl die Grundbetreuung als auch eine angemessene betriebsspezifische Betreuung müssen dem Unfallversicherungsträger spätestens ab 1.1.2012 nachgewiesen werden.

Kann bei der Grundbetreuung auf den Betriebsarzt verzichtet werden?

Nein. In die Grundbetreuung bei Unternehmen mit mehr als 10 Beschäftigten muss sowohl die spezielle Fachkunde der Betriebsärzte als auch der Fachkräfte für Arbeitssicherheit einbezogen werden. Bei der Aufteilung der Grundbetreuungszeiten auf Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit ist ein Mindestanteil von 20% der Grundbetreuung, jedoch nicht weniger als 0,2 Std./Jahr je Beschäftigtem, für jeden Leistungserbringer anzusetzen.

Kann ich auf die betriebsspezifische Betreuung verzichten?

Nein. Jedes Unternehmen hat neben der Grundbetreuung einen Mindesbedarf an jährlicher betriebsspezifischer Betreuung aufgrund regelmäßig vorliegender betriebsspezifischer Unfall- und Gesundheitsgefahren und Erfordernissen zur menschengerechten Arbeitsgestaltung.   Dieser kann sich bei Erfordernis anlassbezogen in einem Jahr auch erweitern.

Unter die betriebsspezifische Betreuung fallen z.B. folgende Leistungen:

  • Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen ´
  • Betriebliches Eingliederungsmanagement
  • Beratung zur Sicherheit von Maschinen und Anlagen
  • Beratung zu und Beurteilung von Arbeitsstoffen und Materialien
  • Gefährdungsermittlung und -beurteilung am Arbeitsplatz
  • Sicherheit und Gesundheitsschutz für besondere Personengruppen (Schwangere, Jugendlichen, ...)

Welchen Anteil hat die betriebsspezifische Betreuung?

Anstelle der Vorgabe starrer Einsatzzeiten wird der Betreuungsumfang zukünftig maßgeblich durch die betriebsindividuelle Gefährdungssituation und Bedarfslage bestimmt und weitgehend durch Kataloge beschrieben. Anhang 4 der DGUV V2 erläutert den betriebsspezifischen Teil der Betreuung und bietet einen Fragebogen zur Bedarfsermittlung. Die inhaltlichen Aspekte der Betreuung rücken dadurch in den Mittelpunkt. Die Festlegung von Inhalt und Form der betriebsärztlichen und sicherheitstechnischen Betreuung ist in erster Linie Aufgabe des Unternehmers. Diese erfüllt er im Zusammenwirken mit der Personalvertretung (sofern vorhanden) und den Betriebsärzten sowie den Fachkräften für Arbeitssicherheit. Betriebsärzte und Fachkräfte müssen dabei miteinander kooperieren und den Unternehmer sowie die Betriebs- oder Personalräte beraten, unterrichten und informieren.

Kann das Unternehmen die Einsatzzeiten für die Fachkraft für Arbeitssicherheit und den Betriebsarzt selbst festlegen?

Nein. Zur Festlegung der Einsatzzeiten für die Grundbetreuung und die betriebsspezifische Betreuung ist eine Beratung durch den Betriebsarzt und/oder die Fachkraft für Arbeitssicherheit notwendig.

Müssen bestehende Verträge zur arbeitsmedizinischen und/oder sicherheitstechnischen Betreuung geändert werden?

Die neue DGUV V2 bietet den Unternehmen mehr Gestaltungsspielraum. Statt starrer Einsatzzeiten wird der Betreuungsumfang zukünftig maßgeblich durch die betriebsindividuelle Gefährdungssituation und Bedarfslage bestimmt. Damit Sie die Vorteile einer bedarfsgerechten Betreuung voll nutzen können, sollten Sie bestehende Verträge an die neue Regelung anpassen.

Wird die Betreuung nach DGUV V2 teurer?

Eine allgemeingültige Aussage ist nicht möglich. Da der Anteil der betriebsspezifischen Betreuung flexibel ist, richtet sich der Umfang nach dem individuellen Bedarf jedes Unternehmens. Unser Tipp: Lassen Sie sich von uns ein individuelles Angebot für die Betreuung aus einer Hand erstellen.

Ersetzt die betriebsspezifische Betreuung die Notwendigkeit einer Gefährdungsbeurteilung?

Nein. Der Leistungskatalog der DGUV V2 (Anhang 4) schätzt nur Schwerpunkte für Aktionen im Arbeits- und Gesundheitsschutz ab. Gefährdungsbeurteilungen ermitteln sehr detailliert die betriebsspezifischen Gefährdungen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in einem Unternehmen. Laut Arbeitsschutzgesetz ist der Unternehmer verpflichtet, Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen und zu aktualisieren.

Sind gesundheitsfördernde Maßnahmen jetzt Pflicht?

Nein. Aber mit Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung sorgen Sie dafür, dass Ihre Mitarbeiter und Ihr Unternehmen leistungsfähig bleiben. Unser Angebot zur betrieblichen Gesundheitsförderung finden Sie hier.

Inwieweit ist die Beauftragung eines einzigen Dienstleisters für die arbeitsmedizinische und sicherheitstechnische Betreuung sinnvoll?

Zusammenarbeit ist der Schlüssel zum Erfolg: Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit müssen im Zuge der neuen DGUV V2 verstärkt kooperieren. Daher empfehlen wir eine arbeitsmedizinische und sicherheitstechnische Kombibetreuung aus einer Hand. Hier geht es zur Angebotsanfrage.

Gilt die Vorschrift auch für Leiharbeitnehmer/-innen?

Ja. Für Leiharbeitnehmer gilt, dass sowohl die Regelungen der DGUV Vorschrift 2 für den Verleiherbetrieb (WZ-Kodes 78.2 und 78.3) als auch die für den Entleihbetrieb geltenden Regelungen zu berücksichtigen sind. Im Entleihbetrieb sind Leiharbeitnehmer/innen bei der Ermittlung des Betreuungsumfangs wie Beschäftigte des Betriebs zu berücksichtigen.

Wie müssen Schüler, Studenten, Ehrenamtliche und Kita-Kinder berücksichtigt werden?

Schüler, Studenten, ehrenamtlich Tätige und Kita-Kinder werden durch das Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG) nicht erfasst. Daher ist für diesen Personenkreis keine arbeitsmedizinische und sicherheitstechnische Betreuung vorzusehen. Es sind allerdings für die Beschäftigten zusätzliche betriebsspezifische Einsatzzeiten denkbar, wenn von den genannten Gruppen zusätzliche Gefährdungen für die Beschäftigten ausgehen (z. B. besondere Infektionsgefährdung durch kranke Kindergartenkinder).

Wie berücksichtigt man Beamte bei der Betreuung?

Für Beamte ist nach § 16 ASiG ein gleichwertiger arbeitsmedizinischer und sicherheitstechnischer Arbeitsschutz zu gewährleisten.